Ereignisorientierte Eventkultur

Ein schwieriger Weg

Zwei Jahre nach dem Startschuss zur Bewerbung Dresdens zur Europäischen Kulturhauptstadt 2025 hat der Stadtrat in einer Aktuellen Stunde den bisherigen Bewerbungsprozess kritisch hinterfragt. Der Fraktionsvorsitzende der AfD-Fraktion, Stadtrat Gordon Engler, hat dabei in seiner Rede auf die ursprüngliche Zielsetzung der Bewerbung aufmerksam gemacht und große Versäumnisse aufgezeigt. Im damaligen Konzept hieß es zur Begründung der Bewerbung: „Dresden bildet einen Kristallisationspunkt für die Herausforderungen und Schwierigkeiten, vor denen eine europäische bürgerliche Gesellschaft zurzeit insgesamt steht.“ Ebenso: „Kultur bedeutet aber auch, miteinander zu diskutieren und gemeinsam das Zusammenleben in der Stadt zu gestalten. Sie kann dazu beitragen, den aktuellen Herausforderungen zu begegnen und eine neue Kultur des Miteinanders zu entwickeln.“

Mit den Herausforderungen explizit gemeint waren die seit Jahren bestehenden Spannungen innerhalb der Stadtgesellschaft, die besonders in der Bürgerbewegung PEGIDA ihren Ausdruck gefunden haben. Doch anstatt zu versöhnen oder neue Wege des Miteinanders aufzuzeigen oder zu entwickeln, ist der Riss in der Dresdner Stadtgesellschaft, der im Bewerberkonzept aus 2016 skizziert und seither viel bemüht wurde, ist so groß wie eh und je. Die bisherigen Schritte und Initiativen im Bewerbungsprozess sind den eigenen Ansprüchen bisher nicht gerecht geworden.

Genau aus diesem Grund hatte sich die AfD-Fraktion in der Stadtratsentscheidung am 2. Juni 2016 in der Abstimmung über die Initiierung der Bewerbung enthalten. Nicht, weil die AfD der Kulturhauptstadtbewerbung grundsätzlich kritisch oder gar ablehnend gegenüber stand, sondern weil sie die Zielsetzung einer neuen Kultur des Miteinanders nicht angemessen angegangen sah bzw. skeptisch darüber war, ob dieses Ziel durch jene Kräfte, die es maßgeblich steuern, nicht vielleicht eher in das Gegenteil verkehrt werden würde. Genau dies aber ist in den letzten Monaten immer wieder geschehen. Dresden hat hoch umstrittene Diskussionen um „Kunst-Projekte“ erlebt, die kein neues gemeinsames Miteinander haben spüren lassen. Die Installation der hochkant gestellten Busse – „Das Monument“ – oder das „Denkmal für den permanenten Neuanfang“, um nur wenige Beispiele zu nennen: Gezielt als Provokation eingesetzte Kunst gegen einen großen Teil der Dresdner Bürger.

Wenn die Kulturhauptstadtbewerbung zu einem Erfolg werden soll, muss das Ziel der Bewerbung endlich in den Mittelpunkt gerückt werden: ein neues gesellschaftliches Miteinander. Oktroyierte Provokation ist dabei kontraproduktiv.

Statt Miteinander ist Konfrontation allzu häufig das Moment der Auseinandersetzung in Dresden. Dies ist nicht nur auf der „Straße“, sondern auch im Stadtrat über deutlich geworden. Da wurde von einem Stadtrat in Zwischenrufen repressive Maßnahmen gegenüber Andersdenkenden gefordert, eine Stadträtin verstieg sich mit ihrer Aussage „damit solche Leute wie Sie nichts in der Dresdner Kunst zu sagen haben“ und bestätigte damit insgeheim die bestehende linke Schlagseite, in die die Dresdner Kultur gekommen ist.

Deutlich wurde dies auch in dem Redebeitrag der Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch zur Aktuellen Stunde. Kultur sei, wie wir miteinander umgehen. Daher müsse die Dialogbereitschaft gefördert und müssten Debatten ausgelöst werden. In der Kulturhauptstadtbewerbung gehe es darum „Konflikte zu kultivieren“, so die Kulturbürgermeisterin wörtlich. Tatsächlich hat Frau Klepsch mit ihrer Kulturpolitik jedoch genau das Gegenteil bewirkt. Ob „Bus-Monument“ oder „Denkmal für den permanenten Neuanfang“, die bewusst gesetzten Provokationen haben zur Verhärtung der Debattenkultur und nicht zu einem neuen Miteinander geführt.

Mit der Berufung des Kuratoriums und des Kurators Michael Schindhelm sowie mit der Eröffnung des Kulturhauptstadtbüros sind aktuell wichtige Impulse gesetzt worden, die darauf hoffen lassen, dass die eigene Zielstellung der Kulturhauptstadtbewerbung nun doch noch vehement angegangen wird. Dresden und seiner Bürgerschaft ist es aufrichtig zu wünschen, wenn die Spaltung durch eine erfolgreiche Bewerbung zur Kulturhauptstadt geheilt werden könnte.

Gordon Engler

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