Zur „Bilderberg-Konferenz“ in Dresden

„Noch sitzt ihr da oben, ihr feigen Gestalten. Vom Feinde bezahlt, dem Volke zum Spott. Doch einst wird wieder Gerechtigkeit walten, dann richtet das Volk. Dann gnade Euch Gott!“ (Carl Theodor Körner, Dresdner Patriot und Kämpfer im Lützowschen Freikorps gegen die napoleonische Fremdherrschaft)

Vom 9. bis 12. Juni gaben sich die sogenannten „Bilderberger“ die Ehre und besuchten unsere Landeshauptstadt Dresden. Die Wahl des Veranstaltungsortes war kein Zufall: Seit Ende 2014 – also noch vor der Masseneinwanderung des vergangen Jahres – entwickelte sich Dresden zur „Hauptstadt des Widerstandes“. Die Versammlung aus Wirtschaft, Medien, Wissenschaft, Militär und Politik tagte nicht in einem abgelegenen Schloss, sondern mitten in Dresden und damit auch unweit der Demonstrationsplätze, die vor allem die PEGIDA-Bewegung mit Tausenden Teilnehmern füllte. Allein diese Tatsache beweist, dass die Eliten der Welt die Bürgerproteste in Dresden und anderswo in Deutschland registriert haben.

In der Vergangenheit sollen von den Beratungen dieser Konferenz wichtige politische und wirtschaftliche Signale ausgegangen sein. So heißt es, sowohl der Euro als auch die deutsche Wiedervereinigung sowie die Präsidentschaftskandidaturen von Bill Clinton und Barack Obama hätten in diesem Kreise ihren Segen erhalten. Wie bedeutend und wichtig diese jährlichen Versammlungen tatsächlich sind bzw. waren, bleibt offen. Der Großteil der Informationen zu den Bilderbergern ist nämlich vordergründig dem Bereich unseriöser Verschwörungsliteratur zuzuordnen. Dies liegt zweifelsohne an der mangelnden Transparenz dieser Versammlung.

Axa-Chef Henri de Castries, Chef des Lenkungsausschusses der Bilderberger-Konferenz, sagte im Interview mit der Zeitung Die Welt auf diesen Vorwurf: Warum konzentriert man sich so auf die Geheimhaltung von Bilderberg, wenn es jeden Tag Zehntausende Treffen gibt, deren Inhalt nicht öffentlich ist? Was wäre die Rechtfertigung? Es ist kein Parlament, keine operative Organisation. Es ist eine informelle Gruppe, die über verschiedene Themen spricht und die Diskussion hinter verschlossenen Türen führt, um die Gespräche zu erleichtern. Warum sollten diese Menschen nicht das gleiche Recht auf Privatsphäre haben wie jeder normale Bürger?“

Herr de Castries, vielleicht entsteht die Kritik, weil sie de facto keine „normalen Bürger“ sind? Bilderberg mag keine Entscheidungen treffen, „die sich auf öffentliche Systeme auswirken“, wie Sie sagen. Dennoch, Bilderberg ermöglicht einen Raum, in dem ohne öffentliche Kontrolle bestimmte Agenden auf den Weg gebracht werden können.

Von Seiten deutscher Spitzenpolitiker, heißt es, haben die Minister von der Leyen, de Maizière und Schäuble sowie der sächsische Ministerpräsident Tillich (alle CDU) teilgenommen. Dazu kam eine hochrangige Abordnung deutscher Wirtschafts- und Medienvertreter – u.a. Mathias Döpfner (Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE), Thomas Ebeling (CEO von ProSiebenSat.1), Ulrich Grillo (Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie), Timotheus Höttges (Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom AG), Julia Jäkel (Vorstandsvorsitzende von Gruner + Jahr), Joe Kaeser (Vorstandsvorsitzender der Siemens AG), Carsten Kengeter (Vorstandsvorsitzender der Deutsche Börse AG).

Die deutsche Bundeskanzlerin war allerdings nicht unter den Teilnehmern, obgleich über sie und ihre Politik gewiss diskutiert wurde. Sollten wir dies als positives Signal des baldigen Endes der Ära Merkel deuten? Werden die Bilderberger etwas bewerkstelligen, wozu CDU/CSU offensichtlich nicht im Stande ist? Kommt Merkel endlich weg?

Es wird sich zeigen, ob außer Beeinträchtigungen im Großraum des Taschenberg-Palais‘ mehr von der Konferenz bleiben und nachwirken wird als Ausgaben für die Sicherheit der Teilnehmer durch den deutschen Steuerzahler.

Gordon Engler

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