Konsequenzen aus Hitze und Dürre in Dresden

Nach der Sommerpause hat sich der Stadtrat auf Antrag der Grünen mit den Auswirkungen des Klimawandels für Dresden beschäftigt. Nachfolgend dokumentieren wir die Rede zur Aktuellen Stunde am 20. September 2018 von Stadtrat Jörg Urban MdL:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
geehrte Stadträte,

„Elf Monate fiel praktisch kein Regen, die Temperatur lag fünf bis sieben Grad über den Normalwerten des 20.  Jahrhunderts. Unzählige Waldgebiete in Europa gingen in Flammen auf, beißender Rauch trübte das Sonnenlicht, im ganzen Sommer wurde kein einziges Gewitter registriert. Schon im Mai wurde das Wasser knapp, Brunnen und Quellen fielen trocken. Der Bodenseepegel sank auf Rekordniveau, Lindau war sogar mit dem Festland verbunden. Rhein, Elbe und Seine konnten trockenen Fußes durchwatet werden. Im Elsass blühten die Obstbäume erneut, in Lindau reichte es sogar für eine zweite Kirschernte.“
Die Rede ist natürlich nicht vom Sommer 2018, sondern vom Katastrophenjahr 1540. Schätzungsweise eine halbe Million Menschen sollen dieser Dürre in Europa zum Opfer gefallen sein, wie Oliver Wetter in seinem Buch „Die beispiellose Hitze und Dürre von 1540 - ein Katastrophenszenario“ schreibt.

„Der Sommer 2018 mit seiner ausgedehnten Dürreperiode zeigt“, so heißt es in der Antragsbegründung der Grünen zur heutigen Aktuellen Stunde, "dass die Folgen des Klimawandels jetzt auch bei uns ankommen. […] Es ist höchste Zeit zu handeln!“ Niemand bestreitet, dass es Extremwetterereignisse gibt, mit denen die Stadt Dresden fertig werden muss und auf die sie bestens vorbereitet sein sollte. Vom Sommer 2018 jedoch auf einen Trend zu schließen oder generell jedes Wetterereignis auf der Welt als Beweis eines menschengemachten Klimawandels zu zitieren, ist völlig unwissenschaftlich. Das ist reiner Populismus. Klima ist ein langjähriges statistisches Mittel meteorologischer Zustände.

Einzelereignisse können per Definition kein Beleg für einen Wandel des Klimas sein. Die heutige Aktuelle Stunde zeigt aber wieder einmal, dass es den Grünen nicht um eine sachliche Debatte geht, sondern um billigen Aktionismus. Sachlich kann eine Debatte nur geführt werden, wenn klar ist, welche Schäden und Probleme der vergangene Sommer verursacht hat. Für Dresden wäre eine Aufstellung der Schäden am städtischen Großgrün interessant. Hierbei müssten vor allem die durch die Trockenheit ausgelösten Probleme mit dem öffentlichen Grün in Parkanlagen, bei Straßenbäumen, etc. untersucht werden. Auch die Auswirkungen auf städtische Gewässer inklusive des Fischbestandes sollten betrachtet werden.

Ausgehend von einer solchen Auflistung kann geprüft werden, inwieweit konzeptionelle Veränderungen nötig sind, etwa ein Notfallkonzept bei extremer Regenknappheit über einen längeren Zeitraum. Die etwas panisch anmutenden Aufrufe der Umweltbürgermeisterin an die Bürger Dresdens in diesem Sommer, Straßenbäume zu gießen, zeigen zumindest, dass hier seitens der Stadt Nachholbedarf besteht. Die Forderung, den Straßenbaumbestand stärker als bisher anwachsen zu lassen, geht ins Leere. Es ist richtig, dass Stadtgrün positive Wirkungen auf das städtische Klima hat. Bei nicht ausreichend mit Wasser versorgten Bäumen ist der kühlende Effekt durch Verdunstung aber nicht mehr gegeben. Zudem sollte beachtet werden, dass auch die Ressource Wasser ein knappes Gut ist.

In allen diesen Belangen ist in erster Linie die Verwaltung gefordert. Grüner Aktionismus mit Verboten und zusätzlichen Vorschriften hilft bei extremer Trockenheit nicht weiter, sondern wird nur den Papierverbrauch der Verwaltung erhöhen. In einer sachlichen Debatte sollten aber auch die Vorteile der Wetterlage im Sommer 2018 zur Sprache kommen. Ein fast mediterranes Flair hat die Straßencafés belebt, viele Touristen haben den Sommer hier in der Region verbracht. Damit einher geht auch eine wirtschaftliche Belebung.

Zum Jahr 1540 heißt es: „Am Bodensee [...] war Wein irgendwann billiger als Wasser, und in Limoges ernteten die Winzer geröstete Trauben, aus denen sie Sherry-ähnlichen Wein gewannen, der [...] schnell betrunken machte.“ Auch 2018 hat in dieser Hinsicht kaum geschadet: der Federweißer aus dem Dresdner Elbtal ist bereits vorzüglich gelungen.

Jörg Urban

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