Prinzenpalais am Großen Garten

Ein Stück Identität zurückgewinnen

Mit einem Antrag setzt sich die AfD-Fraktion derzeit für den Wiederaufbau des Prinzenpalais ein, um die Vielfalt der Dresdner Bau- und Architekturkultur um ein weiteres Schmuckstück zu erweitern. Das 1764 -1770 errichtete Palais war ein besonderes Kleinod der Landeshauptstadt Dresden. Von 1781 bis 1927 war es Wohnsitz des zweitgeborenen wettinischen Prinzen und seiner Familie und damit auch mehrerer späterer sächsischer Könige, die ihren kinderlosen Brüdern auf den Thron folgten. Im Palais wurden königliche Prinzen und Prinzessinnen geboren – unter diesen am Himmelfahrtstag, den 25. Mai 1865 Friedrich August III., der letzte König von Sachsen.

Das Palais selbst war auf Geheiß des Chevalier de Saxe Johann Georg, dem illegitimen Sohn Kurfürst Friedrich August I. (als August II. König von Polen), in einem schlichten und zurückhaltenden Stil des Rokoko mit Anklängen zum Frühklassizismus erbaut worden. Johann Georg beauftragte hierzu den Hofbaumeister Friedrich August Krubsacius, der unter anderem auch Architekt des Landhauses, des Kurländer Palais sowie des Palais Hoym war. Den Gebäudeschmuck führte der Bildhauer Johann Gottfried Knöffler aus. Das ursprünglich einstöckige Gebäude wurde später um ein Stockwerk erhöht.

Von 1781 an gehörte das Palais jeweils dem zweitgeborenen sächsischen Prinzen und trug dessen Namen, weshalb auch die Bezeichnung „Palais der Sekundogenitur“ geläufig war. Zuerst wurde das Palais der Hauptwohnsitz des Prinzen Anton, welcher 1827 die Nachfolge seines älteren Bruders Friedrich-August I. als sächsischer König antrat. Dieser ließ den das Palais umgebenen Garten zum ersten Dresdner Landschaftspark umgestalten. Im Jahr 1888 kaufte die Stadt Dresden den nördlichen Teil des Gartens, um hier die heutige Lingnerallee anzulegen. Auf der Suche nach einem geeigneten Bauplatz für das Hygiene-Museum erwarb die Stadt Dresden 1927 schließlich auch die übrige Anlage. Das Palais brannte im Februar 1945 in Folge der Luftangriffe auf Dresden aus. Die wiederaufbaufähige Ruine wurde 1951 beseitigt.

Von dem einst stolzen wettinischen Gebäude sind am alten Standort nur noch die Grundmauern, an denen sich auch Reste alter Treppenanlagen, Dachrinnen und eiserner Fenstergitter befinden, erhalten geblieben. Lediglich der Brunnen im Hof ist vor einigen Jahren rekonstruiert worden. Durch einen Wiederaufbau des Prinzenpalais würde Dresden einen Teil seiner historischen Identität zurückerlangen. Außerdem ründe die Palais-Anlage die geplante Re-Urbanisierung dieses Stadtteils an der Zinendorfstraße ab.

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