Vision und Realität

Die Machbarkeitsstudie zum Dresdner Fernsehturm

Seit dem 20. Juni 2017 ist die lang erwartete Machbarkeitsstudie zur Revitalisierung des Dresdner Fernsehturms veröffentlicht. Mehrere Wochen hatten die Auftraggeber die Studie zurückgehalten, obwohl bereits einige Details durchgestochen worden waren. Das Ergebnis der Studie auf den ersten Blick: Die Wiedereröffnung des Fernsehturms gestaltet sich schwierig.

Grundlage der Untersuchung sind die durch den Verein Dresdner Fernsehturm e.V. erarbeiteten Visionen zur Wiedernutzbarmachung des Fernsehturms. Die große Herausforderung einer Revitalisierung hat im Wesentlichen mit der Lage des Fernsehturms im Dresdner Osten, weitab der Innenstadt, zu tun. Hierin unterscheidet sich der Dresdner Fernsehturm ganz wesentlich beispielsweise von seinem Berliner Pendant, der im Zentrum auf dem Alexanderplatz hervorragend erschlossen und verkehrlich sehr gut angebunden ist.

Umso attraktiver und imposanter der wiedereröffnete Fernsehturm gestaltet wird, desto höher werden die nötigen Investitionskosten und desto größer sind die Bedenken bezüglich der Genehmigungsfähigkeit. Gleichzeitig steigt aber die erwartete Wirtschaftlichkeit. Andernfalls droht dem Fernsehturm bei einer Revitalisierung in Form einer bloßen Aussichtsplattform mit einer gastronomischen Komponente Unwirtschaftlichkeit infolge einer deutlich geringeren Attraktivität.

Die Machbarkeitsstudie hat vier verschiedene Varianten untersucht. Die ambitionierteste Version sieht, neben der Aussichtsplattform und einem Restaurant, einen Erlebnisgarten mit Grünanlagen und Spielplätzen sowie ein „Televersum“ als Wissenschaftszentrum und Ort der Veranschaulichung von Innovationen der Dresdner Wissenschaftslandschaft vor. Zur Anbindung des Fernsehturmareals ist eine Seilbahn vorgesehen, die die Pappritzer Elbhänge mit der linkselbischen Seite verbindet.

Besonders die Bedenken hinsichtlich einer sogenannten Umweltverträglichkeit wiegen schwer. Teile des Geländes des Fernsehturms befinden sich im Landschaftsschutzgebiet, eine Seilbahn würde die Elbe und damit besonders geschützte Vogelbiotope kreuzen. Auch der Standort der Talstation der Seilbahn wäre nicht unproblematisch: sowohl ein Trinkwasserschutzgebiet als auch Belange der Hochwasservorsorge müssen mitbedacht werden.

Insgesamt spricht die Studie von sehr hohen Hürden bei einer Revitalisierung des Fernsehturms. Keine der vier Varianten kann ohne Einschränkungen empfohlen werden.

Gleichwohl sollte die Machbarkeitsstudie zum Anlass genommen werden, sich eingehend mit dem Dresdner Fernsehturm und seinen Perspektiven auseinander zu setzten. Ambitionierte Lösungen, besonders auch im Hinblick auf die Bewerbung Dresdens als Kulturhauptstadt 2025 dürfen nicht aus dem Blick geraten.

Wären immer nur ausschließlich Belange des Umweltschutzes bei Bauvorhaben in den Vordergrund gerückt worden, die Dresdner Elbschlösser, die Standseil- oder Schwebebahn würde es nicht geben. Dresden braucht auch innovative, in die Zukunft gerichtete Projekte.

Der Fernsehturm mit Seilbahn und „Televersum“ könnte ein solch lohnendes Ziel sein. Alle Bürger können sich ausführlich mit der Machbarkeitsstudie beschäftigen und sich hierzu eine eigene Meinung bilden.

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