Wohnen überm Discounter

AfD will für Dresdens Wohnungsbau neue Impulse setzten

"Die mehrgeschossige Grundstücksausnutzung oberhalb von Läden ist eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten“, ließ die Berliner Bausenatorin Ende September 2018 beim „Berliner Supermarktgipfel“ verlauten. Nicht nur in der Bundeshauptstadt Berlin, überall in Deutschland werden derzeit Projekte angedacht oder schon verwirklicht, die eines der drängendsten Probleme in deutschen Großstädten lindern helfen sollen: neue Wohnungen. Da unbebaute Flächen ein rares Gut sind, wurde in den letzten Jahren eine Idee geboren, die neue Wege gehen will: die Nachverdichtung von bisher für Supermärkte oder Discounter mit meist großen Parkplatz- und eingeschossigen Gewerbeflächen genutzten Grundstücken durch neue Wohnungen oberhalb der bisherigen Ladenflächen oder Parkplätze.

Die Diskussionen um Nachverdichtungen von Arealen, die mit einer Reduzierung von Grünanlagen, Spielplätzen oder Parkplätzen einhergehen, bereiten große Schwierigkeiten infolge von bestehenden Nutzungskonflikten. Exemplarisch ist hier in Dresden als Beispiel die „Wohnzelle Grunaer Straße“ zu nennen. Verdichtung und Versiegelung in den Außenbereichen des Stadtgebietes wiederum ist nicht unbegrenzt möglich und verursacht ebenso Nutzungskonflikte, etwa den Zubau für das Stadtklima wichtiger Kalt- und Frischluftschneisen.

Obwohl auch in Dresden Probleme hinsichtlich der Verfügbarkeit bezahlbaren Wohnraumes in einzelnen Stadtteilen bestehen, waren die deutschlandweit erprobten Initiativen zum Wohnen über Supermärkten oder Discountern bisher kein Thema. Die linke Stadtratsmehrheit aus SPD, Grünen und Linken hat mit der Gründung der neuen städtischen Wohnungsbaugesellschaft „Wohnen in Dresden“ (WiD) einen anderen Weg eingeschlagen, der für den Haushalt der Stadt zu einer großen Gefahr werden könnte. Von den geplanten 800 neuen Wohnungen ist bisher keine einzige fertig, die WiD hinkt dem Zeitplan massiv hinterher, neue städtische Grundstücke, die für den sozialen Wohnungsbau geeignet sind, stehen kaum mehr zur Verfügung.

Dass Handlungsbedarf besteht, zeigen auch die aktuellen Zahlen zum Wohnungsleerstand in Dresden zum 31.12.2017. Dieser beträgt im Durchschnitt für ganz Dresden 6,2 Prozent, die Fluktuationsreserve von zweieinhalb bis drei Prozent nicht mit ihrer leerstandsverringernden Auswirkung in die Berechnung einbezogen. Die Leerstandsquote unterschiedet sich dabei aber stark in den einzelnen Stadtteilen. Während in Dresden West oder in Loschwitz/Weißig mehr als zehn Prozent der Wohnungen leer stehen, sind es in der Johanstadt, Gorbitz, Prohlis oder Strehlen weniger als vier Prozent. Hier ist die Wohnungsknappheit akut.

Angesichts dieses Paradigmas hat die AfD-Fraktion in einem Antrag vorgeschlagen, auch für Dresden die Wohnüberbauung von Discountern oder Supermärkten in den Blick zu nehmen.

Mit dem Antrag zur Prüfung von Wohnungsbauförderung bei Wohnraumüberbauung soll die Nutzung dieser bisher nicht vorgesehenen Potenziale in Dresden zukünftig ermöglicht werden. Dafür braucht es geeignete kommunale Fördermaßnahmen und Strukturen, die sowohl die Interessen der Stadt sowie der Bürgerinnen und Bürger nach bezahlbaren, familienfreundlichen Wohnraum, als auch die potenzieller Investoren berücksichtigen. Zugleich sollen städtische Einflussmöglichkeiten hinsichtlich sozialer und städtebaulicher Interessen überprüft und vorgeschlagen werden.

Mit dem Antrag zur Prüfung von Wohnungsbauförderung bei Wohnraumüberbauung soll die Nutzung dieser bisher nicht vorgesehenen Potenziale in Dresden zukünftig ermöglicht werden.

Stefan Vogel

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