Von Gräbern und Bussen – Mit Provokation zur Europäischen Kulturhauptstadt?

10.02.2017

Dresden ist in aller Munde: Die „Kunstaktion“ auf dem Neumarkt – drei alte Busse stehen senkrecht vor der Frauenkirche und symbolisieren nebenbei (vermutlich) ungewollt(?) den Kampf der islamistisch-salafistischen Rebellenmiliz „Ahrar al-Scham“ – und das „Kunst-Projekt“ „Lampedusa 361“ auf dem Theaterplatz – mit Abbildungen von Gräbern von Auswanderern, die im Mittelmeer ertrunken sind – sowie dazu die wütenden Reaktionen vieler Dresdner Bürger, weil das alles ausgerechnet in den Rahmen des 13. Februars gesetzt wird, bringen die sächsische Landeshauptstadt – mal wieder – groß in alle Medien. „Ist das schon der Auftakt der Dresdner Bewerbung um den Titel Kulturhauptstadt Europas 2025?“, fragt sich Gordon Engler, kulturpolitischer Sprecher der AfD-Stadtratsfraktion.

In der Bewerbungsinformationen des Amtes für Kultur und Denkmalschutz heißt es dazu: „Dresden erscheint aktuell als Kristallisationspunkt von Problemlagen, die Europa insgesamt betreffen und bedrohen. Sie ist Bühne und Austragungsort von Konflikten, die auch an vielen anderen Stellen in Europa ausgetragen werden. Die gemeinschaftliche – beteiligungsorientierte – Entwicklung einer neuen Kultur des Zusammenlebens und des Zusammenhaltes in Europa ist wichtiger denn je. Als Kulturhauptstadt kann Dresden dazu einen relevanten Beitrag leisten.“ Ziele des Bewerbungsprozesses Kulturhauptstadt 2025 sind unter anderem: „die lokale Identität stärken, den Dialog in der Bürgerschaft stärken, Anlässe für Kultur für alle und von allen schaffen“.

Die Bewerbung Dresdens als Kulturhauptstadt ist auch von dem Gedanken getragen, etwas gegen das vermeintlich schlechte Ansehen der Stadt zu unternehmen“, erinnert sich Gordon Engler und fügt an: „Auch wurde als großes Ziel ausgegeben, die Dresdner Bürgerschaft nicht nur für das Projekt Kulturhauptstadt 2025 zu begeistern, sondern sie vor allem wieder zu einen. Gerade letzteres scheint derzeit ferner denn je: Eine abgehobene kleine Clique greift in unsensibler Weise in das Gedenken unserer Stadt hinein, an den traurigsten Tag in der Geschichte Dresdens. Sie eint mit dieser Gedenkunkultur nicht. Sie spaltet.“

„Nun möchte man vielleicht mit dem Bildnis der geteilten Stadt und seinen Konflikten spielen, auf Provokation setzten – als Kunstform. Wenn es das Ziel der Künstler wie der Stadtoberen war Aufmerksamkeit zu erregen, so ist ihnen wahrlich ein PR-Coup gelungen. Doch um welchen Preis? Wenn dies der Weg ist, den die Bewerbung Dresdens unter Federführung der Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Die Linke) gehen will, dann ist künftig mit mehr Unmut und verbalem Widerstand zu rechnen, als wie er derzeit durch Pegida zum Ausdruck gebracht wird. So wird Dresden keine Kulturhauptstadt Europas“, kritisiert Gordon Engler.

Zurück