AfD-Stadtratsfraktion stellt Eilantrag zum Abriss

Bus-„Monument“ spaltet Dresden

28.02.2017

Die AfD-Fraktion wird in der kommenden Sitzung des Dresdner Stadtrats am Donnerstag einen Eilantrag einbringen, das „Monument“ auf den Neumarkt unverzüglich zu entfernen. Dazu geben die Stadträte Stefan Vogel, Gordon Engler, Jörg Urban und Harald Gilke folgende gemeinsame Erklärung ab:

„Wir können die vielen Bürgerinnen und Bürger Dresdens, die sich über die Bus-Kunstaktion aufregen, gut verstehen. Dresden befindet sich seit über 2 Jahren in einer angespannten Situation. Die ‚Kunstkommission‘ in Verbindung mit den Bürgermeistern der Landeshauptstadt Dresden wären besser beraten gewesen, kein weiteres Öl ins Feuer zu gießen. Die Sprünge an den Rändern drohen sich in einen Riss in die Mitte der Stadtgesellschaft zu verwandeln. Um ein Zeichen der Versöhnung und Eintracht zu setzen, wäre es wünschenswert, wenn der Oberbürgermeister diese Kunstaktion vorzeitig beendet.

Unser Eilantrag, der in diesem Sinne auch als Aufforderung an die Stadtverwaltung zu verstehen ist, wird in Anbetracht der rot-grün-roten Mehrheitsverhältnisse wahrscheinlich keine Mehrheit im Stadtrat finden. Doch gibt er dem Stadtrat die Möglichkeit, eine politische Debatte nicht nur über Sinn und Unsinn der Busse vor der Frauenkirche zu führen, sondern die für Dresden relevante Frage zu erörtern, wie unsere Stadt nach über 2 Jahren die gesellschaftlichen Spannungen zum Wohle aller Dresdner überwinden kann.“

 

Unser Eilantrag im Wortlaut:

Gegenstand: Rückbau des „Monuments“ auf dem Neumarkt

Beschlussvorschlag: Der Stadtrat möge beschließen: 1.) Der Oberbürgermeister wird beauftragt, die Installation „Monument“ des Künstlers Manaf Malbouni auf dem Dresdner Neumarkt unverzüglich zu entfernen.

Begründung: Das im Rahmen des Gedenkens an die Zerstörung Dresden am 13. Februar 1945 in diesem Jahr errichtete „Monument“ aus drei Bussen ist hochumstritten und hat die bestehende Spaltung der Dresdner Stadtgesellschaft weiter vertieft. Der intendierte Zweck, ein würdiges Gedenken an die Zerstörung der Stadt durch alliierte Bomberverbände am Ende des Zweiten Weltkrieges durch eine aktuellere Perspektive auf Krieg und Zerstörung – insbesondere die bürgerkriegsbedingten Leiden in der syrischen Stadt Aleppo – zu weiten und darauf aufmerksam zu machen, dass Krieg und Gewalt auch in heutiger Zeit noch bestehende Realität menschlichen Lebens sind, ist von vielen Bürgerinnen und Bürgern Dresdens mit Bestürzung und Unverständnis aufgenommen worden.

Der 13. Februar ist, neben dem Gedächtnis unter anderem an die Bombardierung der Dresdner Partnerstadt Coventry, zu einem Synonym für die Grausamkeiten des Luftkrieges und die schonungslose Involvierung der ehedem durch internationale Verträge geschützten Zivilbevölkerung geworden. Gleichwohl lässt das Gedenken an den 13. Februar 1945 zahlreiche Perspektiven auf das Geschehen zu, die sich zu einem hochkomplexen Bild und einem vielfach verwobenen Gewebe unterschiedlicher Motive und subjektiver Leiderfahrungen verdichten, die sich nicht einfach durch schlagwortartige und logisch zwingend falsche Vereinseitigungen wie der Rede von der „unschuldigen“ oder „schuldigen“ Stadt auflösen lassen.

Die Erkenntnis, dass geografischen Orten keine Moral zukommt, ist ähnlich trivial wie die Einsicht, dass kriegerische Konfrontation von Menschen auch in heutiger Zeit mit Leiden einhergeht. Der deutsch-syrische Künstler Manaf Malbouni hat mit seiner Installation genau diese einfache Reflexionsebene bedient, die aufgrund fehlender intellektueller Komplexität nur Brücken zwischen allgemein bekannten Gemeinplätzen bauen kann. Dadurch verstellt sich geradezu der Blick auf die spezifische Dresdner Leiderfahrung am 13. Februar 1945 wie auch das Geschehen in Syrien in seiner undurchsichtigen politischen und gesellschaftlichen Dimension. Besonders deutlich wird dies dadurch, dass die Barrikade in Aleppo, der das Bus-„Monument“ in Dresden nachempfunden ist, (zumindest auch) einer islamistischen Terrorfraktion, mit einer umfangreichen Beteiligung an Verbrechen gegen Menschen, als Hort und Schutzstellung, also als Ausgangspunkt für menschliches Leid, diente. Mithin könnte somit dieses Kunstwerk auch als Reminiszenz an eine verbrecherische Organisation verstanden werden. Dass sich hier – nach komplexitäts- und intellektualitätsreduzierter Lesart – geradezu die Frage nach der „unschuldigen“ oder „schuldigen“ Barrikade aufdrängen müsste, die auch eine Neubewertung des Begründungszusammenhangs der „schuldigen“ Stadt nötig machen würde, bleibt erstaunlicherweise unbemerkt.

Diese intellektuellen Leerstellen werden von vielen Dresdner Bürgerinnen und Bürgern bemerkt oder in ihrer Dimension vollumfänglich erspürt, weswegen sich starker Widerstand artikuliert, der die Spaltung der Dresdner Stadtgesellschaft vorantreibt. Das Gedenken an die Zerstörung Dresdens am 13. Februar soll nicht neuerlich zum Spielball werden und für unterschiedliche Zwecke instrumentalisiert werden, so die fast einhellige Meinung der Dresdner Stadtgesellschaft.

Eine um Reflexion und Ausgleich bemühte Stadt müsste Orte und Angebote eines offenen und gleichberechtigten Dialoges schaffen. Gleichzeitig müsste Abstand von Identifikationsobjekten genommen werden, die diesen offenen und gleichberechtigten Dialog verhindern, da sie zu Synonymen einer unversöhnlichen Streitkultur geworden sind. Gerade das „Monument“ auf dem Dresdner Neumarkt muss daher als neuerlicher Gradmesser der gesellschaftlichen Spaltung rückgebaut werden.

 

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