Aktuelle Stunde – Vonovia Grunaer Straße

Rede von Harald Gilke:

Sehr geehrter Herr Erster Bürgermeister,
verehrte Stadträte,
sehr geehrte Damen und Herren,

mittlerweile ist es zum Mantra geworden: Dresdens Bevölkerung wird in den kommenden Jahren weiter stark zunehmen und – damit eng verbunden – es braucht private Investoren, die für das absehbare Wachstum die nötigen Voraussetzungen schaffen. Es braucht neue Wohnungen.

Die Debatte zum Thema Wohnungspolitik ist in den letzten Monaten sehr vehement geführt worden. Mit dem Beschluss zur neuen städtischen WOBA hat Rot-Rot-Grün unter Missachtung finanzpolitischer Risiken für die Stadt Dresden neue Wege bestritten. Gleichzeitig wurde verschiedenen privaten Investoren systematisch Steine in den Weg gelegt. Daher überrascht die heutige Aktuelle Stunde umso mehr.

Das Areal zwischen Grunaer und Pillnitzer Straße ist nach der Zerstörung Dresdens ab 1951 errichtet worden und überzeugt vor allem durch seine aufgelockerte und durchgrünte städtebauliche Gestaltungsweise. Obwohl die „Wohnzelle Grunaer Straße“ in erheblichen Maße bedingt ist durch die kurz nach dem Krieg beschränkten Möglichkeiten des Aufbaus, ist das damals errichtete Areal auch Ausdruck der an Konzeptionen der „Stadt der Moderne“ anknüpfenden Ideologie der neuen sozialistischen Großstadt.

Die „Wohnzelle Grunaer Straße“ hingegen ist städtebaulich äußerst behutsam errichtet. Sie orientiert sich am historischen Straßenverlauf, greift die vormalige Blockrandbebauung auf und imitiert eine – durch bspw. Baustoffauswahl – traditionelle Bebauung. Dieser Gegensatz zwischen moderner Architektur und Reminiszenzen an das Vorkriegs-Dresden ist nicht unwidersprochen geblieben. Dem Areal zwischen Grunaer und Pillnitzer Straße brachte das den Vorwurf des „Formalismus“ ein. Zugleich wurde aber schon damals die Frage aufgeworfen: „Wo bleibt die reiche künstlerische Tradition Dresdens?“

Das Vorhaben der Vonovia, das eine Bebauung der grünen Innenhöfe in der „Wohnzelle Grunaer Straße“ vorsieht, ist auf deutliche Kritik gestoßen, wie die Sammelpetition zum Thema zeigt. Auch die Alternative steht diesen Plänen sehr kritisch gegenüber. Aus unserer Sicht hat der Erhalt des Charakters des benannten Areals grundsätzlich Vorrang vor den angedachten baulichen Veränderungen. Der Erhalt der hochwertigen Grünräume der denkmalgeschützten Bebauung ist uns ein wichtiges Anliegen.

Städtebau hat im Wesentlichen mit Ästhetik zu tun. Die „Wohnzelle Grunaer Straße“ erfüllt diesen Anspruch viel eher als das südlich angrenzende Gebiet des ehemaligen Robotron-Geländes. Hier sollten in der Zukunft neue gestalterische Impulse gesetzt werden. Damit könnte sogar an die Traditionen der 1950er Jahre angeknüpft werden und vielleicht auch besser die „reiche künstlerische Tradition“ Dresdens aufgegriffen werden.

Vielen Dank!

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