Stadtrat Jörg Urban MdLzur Namensgebung "Cocker-Wiese"

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren Stadträte,

die Stimmung in Dresden, ja im ganzen Land ist gespannt. Etwas liegt zum Greifen nahe, das aber nicht genannt oder gefasst werden kann. Nur eines ist klar: So kann es nicht weitergehen. Etwas muss sich verändern in dieser Stadt, in diesem Land! Etwas wird sich verändern!

Der stumme Schrei, für jeden hörbar, der die Augen aufmachen kann. Die bleierne Enge, die sich jedem auf die Brust legt, der die Probleme in dieser Stadt, in diesem Land sieht und benennen will. Die einschüchternde Unsicherheit, sich ja nicht zu weit zu wagen. Da man ja nicht wissen konnte!

Im Jahr 1988 hatte ich kein Gefühl von Behaglichkeit. Auch heute – im Rückblick auf diese Zeit – empfinde ich keine Heimelichkeit beim Gedanken an die untergegangene DDR.
Ich fühle die Spannung, die Angst und Beklommenheit noch sehr genau.
Und ich erinnere mich an den 2. Juni 1988. Das Konzert von Joe Cocker in Dresden.

85.000 Menschen und ein Künstler, der die Gefühle, die Sorgen und Nöte seiner Zuhörer anzusprechen vermochte. Joe Cocker sprach mit Songs wie „Unchain my heart“ die Empfindungen vieler Menschen in der DDR an. Und plötzlich registrierten viele dieser Menschen, dass sie mit ihren Sorgen und Ängsten nicht allein waren.

Das Konzert am 2. Juni 1988 war für mich ein Aha-Erlebnis. Joe Cocker hat mir nicht die Beklommenheit genommen, hat nicht die bleierne Enge, die über diesem Land lag, hinweggefegt. Das wäre einfach zu viel gesagt.
Aber er hat mir und sicherlich auch vielen anderen gezeigt, dass wir nicht allein sind. Das tausende Menschen auf der Straße etwas bewegen können.

Joe Cocker und sein Konzert 1988 in Dresden waren ein Meilenstein in der Entwicklung hin zur Friedlichen Revolution. Dies sollten wir angemessen würdigen und bedenken. Daher unterstützt die AfD-Fraktion den Antrag der SPD zur Benennung der damaligen Konzertwiese nach Joe Cocker. Bei vielen Dresdner Bürgern – auch bei mir – heißt sie bereits seit 1988 so, die Stadt sollte dies nunmehr offiziell machen.

Vielen Dank!

Zurück